Mein Weg zum veganen Essen…

Mein erster Artikel entsteht hier – auf den Stufen unsere Wohnwagens in Pepelow am Salzhaff an der Ostsee. Der Wind rauscht, die Sonne strahlt und die Luft ist erfüllt von leckeren Gerüchen. Es wird gegrillt. Bis vor einer Woche habe ich hier Fleisch verdrückt – gleicher Campingplatz; anderer Umgang mit Fleisch. Was hat sich verändert? Eigentlich nichts und doch so viel. Ich möchte – nein ich lebe jetzt vegan.

Sonnenuntergang beim Campingplatz in Pepelow (Pfingsten)

Ich möchte in Zukunft keine Tiere mehr essen. Ich möchte der Umwelt helfen und meinen Kindern ein Vorbild sein. Ich möchte, dass sie reflektieren, was sie essen und wie sie der Umwelt und somit dem Planeten helfen können, wenn sie weniger oder gar keine tierischen Produkte mehr essen. Fleisch ist potentiell krebserregend (Quellen sind unter anderem WHO und DGE), bedeutet eine hohe Umweltbelastung durch die nötigen Weideflächen und den Methanausstoß (Umweltbundesamt) und die Tiere werden für uns zum Teil grausam getötet.

Ich denke schon länger darüber nach, vegan zu leben. Seit 1.5 Jahren lebe ich ohne Milchprodukte und seit drei Monaten zusätzlich ohne Eier aufgrund meiner Allergien/Unverträglichkeiten. Somit hat nur der Verzicht auf Fleisch zum vegan essen gefehlt.

Ein Erlebnis letzte Woche im Garten, als wir mit unseren Nachbarn zusammen saßen, hat mir gezeigt, dass man jeden Tag anfangen kann Veganer zu sein. Ein Nachbarsjunge (ca. 12 Jahre alt) erzählte von einem Bekannten, der ausversehen nachts ein Glas Seewasser mit einigen kleinen Fischen darin trank. „Mörder“, hat er ihn genannt. Ich fragte, ob der Junge Fleisch undd Fisch isst und er bejahte. Er fügte aber hinzu, dass er nie ein Tier töten würde. Das war ihm sehr wichtig. Da erklärte ich ihm, dass die Tiere die er isst aber für ihn getötet würden und dass das doch genauso schlimm ist. Eine andere Mutti die dabei saß, fragte schockiert: „Seid Ihr etwa Veganer?“ „Nein, aber nur weil ich dann aufgrund meiner Unverträglichkeiten gar keine Auswahl beim Essen mehr hätte.“ Dabei dachte ich: Wie egoistisch das klingt! Also lebe ich jetzt vegan. Es ist erst eine Woche, aber schwierig ist es eigentlich nicht. Man muss nur viel erklären und die mitleidigen Blicke aushalten. Es gibt genug Auswahl und es schmeckt sehr lecker!

Ich esse jetzt mein gegrilltes Gemüse (Zucchini, Kartoffeln, Maiskolben, Spargel) mit veganem Pesto aus Hülsenfrüchten. Auf diesem Blog wird es bald einfache, vegane Gerichte ohne Soja geben und ohne Zusatzstoffe.

Noch ein paar Fakten zum Veganismus, bzw. einige Fragestellungen die zum Nachdenken anregen sollen:

Viele tierliebe Erwachsene und Kinder essen trotz Ihrer Tierliebe gern und viel Fleisch – Warum werden bestimmte Tiere, wie Rinder und Schweine ohne Probleme getötet, aber Hunde, Meerschweinchen und Pferde nicht? Dieses Phänomen nennt sich Fleischparadoxon oder auch Karnismus. Entsprechend der Psychologin Melanie Joy ist der Verzehr von bestimmten Fleischsorten ethisch vertretbar weil es nicht als Entscheidung angesehen wird. Es gilt als normal. Von der Gesellschaft wird „erlaubt“ diese Fleischsorten zu essen, auch indem diese Tiere immer nur als „die Kühe“, die „Schweine“ betrachtet werden, nicht als soziale, individuelle Tiere, so wie Hunde. Aber Schweine und Kühe sind durchaus sozial, fühlen mit (Mutterkühe schreien stundenlang nach Ihren Jungen, wenn diese voneinander getrennt werden, damit die Kuh uns Ihre Milch gibt), haben Angst (regelmäßig versuchen Kühe vor dem Schlachthaus zu fliehen) und individuell. Und nur weil sie bio gehalten werden landen sie doch im gleichen Schlachthaus – dabei haben sie Angst! Warum tun wir das den Tieren an, obwohl in unserer Gesellschaft der Verzehr von Fleisch nicht mehr notwendig ist um gesund zu leben? Es ist unsere Entscheidung, ob wir Fleisch essen wollen oder nicht. Weiterführende Informationen zum Karnismus unter: https://vebu.de/tiere-umwelt/karnismus-erkennen/ oder das Video unter: http://www.veggie.de/karnismus/

Schafwiese bei Schwerin

Die Tierindustrie ist der größte CO2 – Verursacher. In einem offiziellen Bericht der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) wurde festgestellt, dass 2006 18% der ausgestoßenen Treibhausgase durch die Tierhaltung verursacht wird. Das ist mehr als der weltweit gesamte Verkehr mit 13.5% (https://www.simply-live-consciously.com/deutsch/ern%C3%A4hrung-umwelt/51-der-treibhausgase/). Außerdem entstehen durch die Tierhaltung Ammoniakemissionen, Gerüche und Staub – diese belasten die Umwelt. Ammoniak welches in den Ställen entsteht breitet sich aus und reagiert mit Bestandteilen der Athmosphäre. Diese Verbindung kann sich in der Umwelt ablagern. Dadurch kommt es zu einer Versauerung und Eutrophierung (Nährstoffanreicherung). Daraus entsteht eine Veränderung der Artenvielfalt. (https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft/ammoniak-geruch-staub#textpart-1) Wenn wir das wissen, warum wird nichts unternommen? Gegen den Verkehr werden auch Vorkehrungen getroffen (Städte werden emissionsfrei, Autoverbote werden durchgesetzt, etc.), warum nicht gegen die Tierhaltung?

Viele Menschen wissen, wie Tiere geschlachtet werden. Es gibt genug Dokumentationen dazu. Warum verschließen wir die Augen davor, dass Hühnern die Kehle aufgeschlitzt wird und sie nach unten hängend ausbluten? Männliche Küken werden lebendig geschreddert. Viele Tiere werden ins Ausland gebracht zum Schlachten, da dort das Tierschutzgesetz von Deutschland nicht greift. Tiere in Deutschland werden teilweise mit Gas betäubt (mit Gondeln ins Gas gefahren – da habe ich schreckliche Assoziationen) – die Tiere leiden an qualvoller Atemnot und versuchen panisch zu fliehen. Große Tiere werden durch einen Bolzenschuss betäubt. Dabei wird ein Bolzen in den Kopf geschossen und damit Teile des Gehirns zerstört. Hühner werden kopfüber in ein Strombad getaucht um sie zu betäuben. Das Problem an den Betäubungen ist scheinbar, dass es regelmäßig zu Fehlbetäubungen kommt durch Zeitdruck, nicht ausreichend geschultes Personal und unzureichend gewartete Ausrüstung. Dadurch durchleiden die Tiere den Tötungsprozess ohne Betäubung. Warum ist mir das egal gewesen, während ich mein Brathähnchen gegessen habe? (https://www.provieh.de/schlachtung)

Also überlegt euch gut, ob Ihr nicht euren Fleischkonsum reduzieren wollt. Es gibt viele gute Gründe und inzwischen auch sehr viele Rezepte online, die gut ohne Fleisch, Milch und Eier auskommen. Dazu mehr unter freiknuspern.de (nicht alles vegan, aber viele Rezepte), https://de.heavenlynnhealthy.com/ (meine beiden Lieblings-Foodbloggerinnen) und bald auch hier…

https://vebu.de/tiere-umwelt/karnismus-erkennen/

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mareike Dinse sagt:

    Eine gute Zusammenfassung zum Leiden der Tiere. Natürlich darf aber die andere Seite der Bauern nicht hinten runter fallen, die selbst für bessere Schalchtbedingungen kämpfen, zum Beispiel die Rinder direkt auf der Weide zu betäuben, um sie keinem unnötigen Stress auszusetzen oder sie selbst zum Schlachter zu fahren – es gibt viele Bauern, die ihre Tiere lieben und respektieren und sich für eine tiergerechte Tötung einsetzen.
    Der andere große Aspekt liegt in den gesundheitlichen Auswirkungen, durch den Verzehr tierischer Produkte. Hier kann ich dir das Buch „how not to die“ von Michael Gregor empfehlen. Du sprichst von Krebs-die Bandbreite ist deutlich größer.

    Dies ist ein guter Einstieg in die Lebensmittelphilosophie. Vielen Dank dafür. Supplementiere bitte ab Sofort Vitamin B12, das gibt es als Lutschtabletten in der Apotheke zu kaufen.
    Liebe Grüße, Mareike

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    1. Josefine sagt:

      Danke schön. Ja du hast natürlich Recht, es gibt die Ausnahmen an Bauern aber ich befürchte dass das nicht die Regel ist. Und ja krebserregend ist nur ein Aspekt, aber der populärste. 🙂
      Vitamin B12 supllementiere ich über Zahncreme. In verschiedenen Studien wurde nachgewiesen, dass das schon ausreicht.
      Liebe Grüße, Fine

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  2. foodiesoni sagt:

    Hallo Josefine! Es freut mich super, dass du zu dem Thema einen Beitrag schreibst und es liest sich echt schön 🙂 Toll, dass du die Entscheidung getroffen hast einen Blog zu machen! ich freue mich auf weiteres 🙂

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  3. Josefine‘s kleiner Bruder sagt:

    Schön, dass du jetzt unter die Autorinnen gegangen bist. Ich habe mit Schrecken von deinen Fleischleiden gehört und werde zum Ausgleich deiner Abstinenz gleich das doppelte an Fleisch vertilgen. Ich habe gerade schon drei Bratwürste frisch vom Grill gegessen. 🌭 🥩 🥓

    PS: Ich weiß nicht ob Mangelernährung ein gutes Vorbild ist? 🤔

    PPS: Liebe Grüße 😊

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    1. Josefine sagt:

      Veganer sind nicht zwangsläufig mangel ernährt! Viele Vitamine und Mineralstoffe sind bei Veganern die gesund essen (gemüse, obst, nüsse, etc.) sehr gut vorhanden. Na dann iss mal!!! Guten Appetit 😘

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  4. John Reed sagt:

    Danke für Deinen Artikel. Er beeindruckt mich gerade sehr. Vielen Dank.

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