Muss ich mich in meinem Job selbst verwirklichen?

Jedes Jahr entscheiden 16- bzw. 19-Jährige Schulabgänger, als was sie später arbeiten wollen. Eine Ausbildung machen oder lieber studieren? Es drängen sich Fragen auf, wie: Was möchte ich mein Lebenlang machen? Wird mich dieser Job glücklich machen? Interessiert mich diese Thematik so sehr, dass ich immer mehr wissen will darüber?

Ein Moment in dem ich wirklich glücklich war – da will ich wieder hin!

Ich bin jetzt 34 Jahre alt und frage mich immer wieder: Wohin soll mein Leben gehen? Was interessiert mich? Was macht mich glücklich? Soll ich beruflich alles über den Haufen werfen, wenn ich unglücklich bin und jeden Tag schlecht gelaunt nach Hause komme?

Diese Fragen sollten sich mir nicht stellen: Ich bin immer gut gewesen in der Schule, habe ein durchschnittliches Abitur gemacht und danach Schiffs- und Meerestechnik studiert. Ich habe mit einem 1.6-Durchschnitt mein Diplom abgeschlossen und bin dann durch eine glückliche Fügung nach Rostock gekommen um zu promovieren. Während der Promotion irgendwo zwischen dem ersten und zweiten Kind ist meine Motivation, mein Engagement und meine Liebe und Leidenschaft zum Schiffbau erloschen. Sie ist nicht mehr da. Ich bin vor Kurzem in die Wirtschaft gewechselt, um zu überprüfen, ob die Leidenschaft wiederkehrt, wenn ich tagtäglich an den Schiffen mitentwerfen kann und am Ende Resultate sehe. Aber ich denke inzwischen bei einer 120m Yacht – gebaut für 12 Menschen – nicht mehr wie cool und spektakulär das technisch ist, sondern wie schlecht die Ökobilanz ist, wieviele menschliche und materiellen Ressourcen in dieser Yacht hängen. Ebenso geht es mir bei Kreuzfahrtschiffen, die gebaut werden um den Chinesen das Geld abzunehmen und dabei soviel CO2 und Schwefel verursachen. Das ist mein moralisches Dilemma, aber auch die Art des Arbeitens – nämlich 7h immer nur vor dem Bildschirm Schiffsmodelle aufbauen ohne soziale Interaktion entspricht mir nicht. Ich rede gerne – überzeuge voller Leidenschaft – und vor allem ich komme in Kontakt mit anderen Menschen. Ich möchte einen Job der mich glücklich macht, für den ich gerne meine Kraft und Energie und auch Zeit gebe und etwas zurück bekomme.

Wenn man Zeitschriften wie „La vie“, „Flow“ oder auch Selbsthilfebüchern glaubt, gibt es entweder: der Job muss dich glücklich machen und die Selbstfindung widerspiegeln oder der Job muss nicht die Selbstverwirklichung sein, sondern ist ein Werkzeug um Geld zu verdienen und das eigene Leben zu finanzieren. Ich glaube die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen: mein Job sollte mich zufrieden machen, ich muss nachmittags mit einem guten Gefühl nach Hause kommen. Und wenn ich das nicht kann, muss ich etwas ändern. Ich glaube aber auch, dass weder die Arbeit noch die Partnerschaft dafür da sind mich 100%-ig glücklich zu machen. Das schaffe ich nur selbst. Aber beides kann helfen, damit ich zufrieden bin. Denn wenn ich morgens schon schlechte Laune habe, weil ich arbeiten gehen „muss“, dann zieht das auch Kreise auf mein familiäres Leben, dass ich versuche mit diesem Job zu finanzieren. Und im schlimmsten Falle zerfällt die Familie aufgrund der beruflichen Unzufriedenheit.

Ich habe den Job also gewechselt um zu prüfen, ob die Leidenschaft und die Lust auf Schiffbau wiederkommt – mein Fazit: Der Berechnungsingenieur ist kein Job für mich und nein die Leidenschaft kam nicht zurück, dafür aber neue Lieben: die zu gutem, veganen Essen, zu Gesundheit und eine Leidenschaft anderen mit meiner Geschichte vielleicht helfen zu können. Mit Engagement für andere und vor allem für eine gute Sache! Denn ich habe erkannt: Ich bin nicht allein mit meiner Geschichte. Viele Frauen verändern sich beruflich nach dem Kinderkriegen. Haben andere Interessen und Bedürfnisse und brauchen Unterstützung und Verständnis!

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kerstin B. sagt:

    Ich kenne das nur zu gut. Ich selbst habe auch immer wieder Phasen, in denen ich zweifle, ob mein Job der absolut richtige für mich ist. Aber meine Interessen sind so vielfältig, dass mich wohl kein Job bis zu meinem Rentendasein zu 100% erfüllen wird. Deshalb versuche ich einfach, mich in meiner Freizeit auszuleben. Die Kombination klappt mittlerweile ganz gut, vor allem seit es mir gelingt nach 8 Stunden Feierabend zu machen.
    Ich wünsche dir, dass du auch deinen Weg findest, der dich glücklich macht!
    LG Kerstin

    Gefällt 1 Person

    1. Josefine sagt:

      ja das stimmt schon. Aber mit zwei kleinen Kindern ist das tatsächlich sehr eingeschränkt nach der Arbeit. Aber deshalb nehme ich mir jetzt auch die Zeit, dass herauszufinden. lg Fine

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s