Laktose, Fruktose und Laktulose – die Tests und wozu sie gut sind

Ich habe in früheren Blogeinträgen schon darüber geschrieben, dass ich schwere Neurodermitis an den Händen habe, Asthma, Allergien und Unverträglichkeiten. All das fing nach der Geburt meines zweiten Kindes an. Beziehungsweise nach der Antibiotikagabe einige Wochen nach der Geburt. Die Suche nach der Ursache dauert bis heute an. Heute weiß ich, dass Lebensmittel, Kosmetika (inkl. Waschmittel) und Tierhaare bei mir Trigger sind. Auf Kosmetika an den Händen verzichte ich weitestgehend und Tieren gehe ich aus dem Weg. Aber die Suche nach den verursachenden Lebensmitteln war und ist schwieriger. Ein Schritt auf dieser Suche waren die Unverträgllichkeiten und Allergien. Über die existierenden Testungen zu Unverträglichkeiten und meine Erfahrungen damit werde ich hier berichten. In dem Artikel über den glutenfreien Rührkuchen habe ich bereits über IgG-vermittelte Allergien geschrieben.

Laktoseintoleranz oder nicht?

Vor einiger Zeit ist einer befreundeten Heilpraktikerin aufgefallen, dass Laktoseintoleranz sich bei Neurodermitikern vermehrt in den Armbeugen und bei Glutensensitivität an den Ellenbogenaußenseiten zeigt. Da zu diesem Zeitpunkt nicht nur meine Hände sondern auch meine Ellenbeugen betroffen waren, hab ich auf gut Glück Laktose weggelassen.

Meine Hand mit Neurodermitis im Winter 2017

Bevor ich dazu komme, ob es geholfen hat oder nicht, hier einige Infos zur Laktoseintoleranz: Bei der Laktoseintoleranz ist ein Enzymmangel vorhanden und die Laktose kann nicht abgebaut werden, da sich das Enzym Lactase nicht richtig bildet. Die Laktoseintoleranz ist eine Folge eines kaputten, bzw. falsch zusammengesetzten Darmmilieus. Gründe für die Laktose-, wie auch eine Fruktoseintoleranz ist ein Leaky-Gut-Syndrom entstanden durch eine Dysbiose, meist durch Antibiotikagabe , bzw. eine ungesunde Ernährungsweise. [Skript der Akademie der Naturheilkunde] Die Symptome sind sehr häufig Magen-Darm-Symptome (Übelkeit, Durchfall, Blähungen, Erbrechen), bei mir kam zusätzlich noch die Hautsyptomatik dazu. Wenn ich Laktose zu mir nehme, kann ich die Uhr entsprechend meiner Symptome stellen. Es fängt Minuten nach dem Laktosekonsum mit Übelkeit und Blähungen an, 2h später kriege ich Durchfall und nach ca. 12h (mal mehr, mal weniger) werden meine Hände rot, schwellen an und fangen kurz darauf an zu jucken. Später kommen noch die Armbeugen und das Gesicht dazu. Der Juckreiz wird begleitet von Bläschen und Quaddeln. Bei meiner damaligen Hautärztin hab ich nachgefragt, ob Laktose diese Symptome haben kann: Sie meinte nur, dass das unmöglich wäre und sie das noch nie gesehen hätte (sie hatte übrigens die Zusatzbezeichnung Allergologie auf dem Schild). Also wartete ich, ob ein Verzicht auf Laktose helfen würde und es besserte sich, aber wurde nicht vollständig gut. Ich wollte es genau wissen: 1 Jahr später habe ich in Rostock endlich eine Ärztin gefunden (nach langer Recherchearbeit), die den Laktosetest durchführt und ging danach nie wieder zu der besagten Hautärztin.

Der Ablauf des Laktosetests ist sehr simpel, benötigt aber etwas Zeit, und wer den Verdacht hat auf Laktose zu reagieren, der sollte sich eine Krankschreibung geben lassen für den Testungstag. Ich konnte anschließend nicht mehr arbeiten. Die Laktosemischung wird in einem Pfefferminztee verdünnt (schmeckt sehr süß, aber nicht unbedingt schlecht), den man auf nüchternen Magen trinken muss (12h nüchtern und 24h keine blähenden Lebensmittel, da diese das Ergebnis verfälschen können). Anschließend muss alle 15 Minuten in ein Messröhrchen gepustet werden. Dabei werden die Wasserstoff Werte abgelesen und notiert. [Wenn man die Laktosemischung trinkt, wird bei einer Intoleranz im Dickdarm durch Bakterien H2 gebildet, welches durch das Blut in die Lunge befördert wird, um dort ausgeatmet zu werden. Die Messmaschine misst dann das H2 in der Ausatemluft.]

Mein Nüchternwert vor der Tee-Laktose-Mischung war 10 ppm (parts per million), was vergleichsweise hoch ist. In den 2h Prüfzeit stieg der Wert bei mir nicht über 22 ppm. Rein von den Werten würde man vermutlich eine Laktoseintoleranz ausschließen (es muss ein deutlicher Anstieg zu sehen sein für die eindeutige Diagnose). Da ich aber schon nach 15min Symptome (Übelkeit, Unwohl sein) zeigte und diese nach ca. 1h mit Bauchkrämpfen schlimmer wurden, wurde die Diagnose Laktoseintoleranz trotz geringem Anstieg der H2 Werte von der Ärztin gestellt. Nach 2h durfte ich gehen, aber zu Hause bekam ich außerdem Durchfall und Übelkeit. Am Abend began das Anschwellen der Finger und der Juckreiz und hörte stundenlang nicht auf. Meine Laktoseintoleranzdiagnose hatte also nichts mit den Werten des Wasserstoffs in meinem Atem zu tun, sondern mehr mit meinen eindeutigen Symptomen. Dazu muss ich sagen, dass ein sehr steiler Anstieg des H2 nicht bedeuten muss, dass die Laktoseintoleranz ausgeprägter ist. Eine Frau, die ebenfalls getestet wurde hatte einen rapiden Anstieg mit einem H2 Wert im Hunderterbereich, zeigt aber im Vergleich zu mir kaum Symptome!

Da ich zu diesem Zeitpunkt schon lange auf Milchprodukte verzichtete, aber meine Beschwerden weiterhin in abgemildeter Form vorhanden waren, wurden 3 Wochen später zusätzlich ein Fruktose- und ein Laktulosetest (noch einmal 1 Woche später) gemacht, um zu klären, ob diese Unverträglichkeiten meine Probleme mitverursachten. Der Fruktosetest zeigte keinen Anstieg, aber minimale Magen-Darm-Symptome. Die Diagnose war nicht gesichert. Der Laktulosetest – wovon ich bis dahin noch nie gehört hatte – ist ein Test um festzustellen, ob man ein „Non-Producer“ ist. Das sind Menschen, die kein oder wenig H2 produzieren, trotz vorhandener Intoleranzen. Schuld können H2- fressende Bakterien sein, die das H2 in Methan umwandeln (welches von dem Messgerät nicht erfasst wird) oder das die Bakterien im Dickdarm durch Antibiotika zerstört wurden (Hinweis: Antibiotikagabe sollte lang genug her sein). Wenn man ein Non-Producer ist, haben die Werte beim Pusten also keine oder sehr wenig Aussagekraft. Um die Tests trotzdem auszuwerten, kann man entweder die Symptome auswerten oder zusätzliche Parameter mittesten. Bei Laktose würde ein Bluttest parallel Sinn machen, da der Blutzuckerspiegel durch den Milchzucker beeinflusst wird. Aber die Verdauung von Fruktose zeigt diesen Einfluss nicht.  Bei der Fruktose würde eine Methantestung sinnvoll sein, was aber leider kaum ein Arzt anbietet. Nur einige wenige Krankenhäuser bieten diesen Test für Erwachsene an soweit ich feststellen konnte, leider keines in Rostock.

Der Lactulosetest zeigte bei mir ebenso wie der Laktosetest einen nur minimalen Anstieg (max. 22 ppm bei einem Nüchternwert von 0 ppm). Mein Ergebnis: Ich bin ein Non-Producer. Die Empfehlung der Ärztin: erst einmal Fruktose und Laktose vorsorglich weg lassen. Ich war genauso schlau wie zuvor. Weiterführend gab es außerdem das Problem der Ursachenforschung. Bei den Unverträglichkeiten wird auch gern getestet, ob eine Dünndarmfehlbesiedelung (DDFB) der Auslöser für die Unverträglichkeiten ist, d.h. dass die Bakterien aus dem Dickdarm in dem Dünndarm herauf wandern und dort zu Problemen führen. Der Grund sind z.B. Blähungen durch zu wenig zersetzte Lebensmittel (Fäulnisbakterien entstehen), die durch die Klappe zwischen Dick- und Dünndarm „entlüftet“ werden. Dies führt zu Bauchschmerzen und starken Krämpfen. Der entsprechende Test ist ein Glukose-Test und bei Non-Producern ebenfalls nicht auswertbar. Wie ich inzwischen aufgrund meiner Weiterbildung zur Ernährungsberaterin gelernt habe, gilt eher die Annahme, dass Unverträglichkeiten zu einer DDFB führen und nicht andersherum. Daher wäre der Test überflüssig gewesen.

Das Problem mit den Atemtests ist leider die Unzuverlässigkeit der Ergebnisse. 5% aller Menschen sind Non-Producer. Diese können kaum verlässliche Daten erwarten. Und auch bei den anderen 95% kommt es bei den Testungen sehr auf Genauigkeit und Fähigkeiten der Ärzte an. Auch die Vorbereitung (nüchtern und keine blähenden Lebensmittel vorher) sind extrem wichtig für ein korrektes Ergebnis.

Milchfreies Porridge mit Brombeeren, Weintrauben und Reis-Schoko-Pops

Schlussendlich haben mir die Tests (vor allem die Lactulose-Testung) den Darm noch mehr zerschossen, die Dysbiose verstärkt und mein Immunsystem stark geschwächt. Ich war anschließend wochenlang krank (ein Infekt folgte dem nächsten) und konnte mich kaum erholen. Zudem habe ich in den darauffolgenden Wochen festgestellt, dass ich ebenfalls auf laktosefreie Milchprodukte mit Neurodermitis reagiere, d.h. entweder reagiere ich gegen wirklich kleine Einheiten von Laktose oder einer der Trigger für meine Neurodermitis ist Milch (die igE Testung zeigte ein negatives Ergebnis bei Milchproteinen). Aber seitdem ich Milchprodukte weglasse sind einige Symptome so gut wie verschwunden: Übelkeit und Magenkrämpfe.

Ich hoffe einigen von euch, die auch diese Testungen machen, hilft dieser Erfahrungsbericht. Wenn Ihr Fragen oder Kommentare habt, meldet euch gerne bei mir!

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