Neurodermitis ist auch eine Chance für eine gesündere Zukunft

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Versteht mich nicht falsch. Neurodermitis mit den 100 Gesichtern ist eine Scheiß-Erkrankung, genauso wie viele andere chronische Erkrankungen, aber vermutlich hat sie mir meine Zukunft, meine Gesundheit und mein Glück geschenkt. Denn: nur durch diese Erkrankung habe ich mich „frühzeitig“ mit gesundem Lifestyle auseinander gesetzt. Mit gesunder Ernährung vor allem, aber auch mit Achtsamkeit, dem Bewältigen von Traumata, Psychotherapie und mit den Fragen: „Wer will ich sein?“ „Wie will ich leben und arbeiten?“ „Welche Art von Mami möchte ich für meine Kinder sein?“ und viele mehr. Vorher war ich in meinem Kopf und meinen folgenden inneren Glaubenssätzen gefangen: Familie und Beruf sind vereinbar! Ich muss eine perfekte Ingenieurin und Mutter sein. Ein ordentlicher Job mit genug Geld ist wichtig, weil nur das Sicherheit bedeutet! Ich schaffe das alles alleine!

Auf dem Weg zu einer entspannteren Zukunft, auch wenn es zwischendurch dunkle Momente gibt mit der Neurodermitis.

Ihr merkt schon, dass diese Sätze ein Vorzeichen eines Burnout sind – zumindestens die Mütter unter euch merken es. Es heißt nicht umsonst immer wieder: „Man benötigt ein Dorf um ein Kind zu erziehen.“ Nur haben wir hier kein Dorf. Ich habe meinen Mann und zwei kleine Kinder, die sehr sensibel und oft auch fordernd sind. Und wenn man überall perfekt sein will, macht einen das auf Dauer einfach kaputt. Immer! Egal ob mit oder ohne Kinder. Und für uns sind zwei Vollzeit-Job, Haushalt, zwei Kinder und wir beide (mein Mann und ich) als Individuen nicht vereinbar. Und dass muss es auch nicht. Wenn weniger konsumiert wird, müssen wir nicht beide voll arbeiten. Das hat sehr lange gedauert, bis ich das verstanden habe. Und noch eine Sache habe ich verstanden: Ich möchte etwas tun, was mich glücklich macht und mir sinnvoll erscheint. Und ohne meine Erkrankung und der Suche nach den Ursachen, hätte ich mich niemals so ausführlich mit meiner Ernährung und meinen Wünschen auseinander gesetzt. Hätte weiterhin in einem Job festgesteckt, der mich unglücklich macht und wäre mir selbst nie so nahe gewesen.

Neurodermitis kann unheimliche viele Trigger haben – Allergien (Nahrungsmittel, Kontakt, Pollen, Hausstaub oder Tierhaare, Latex), Unverträglichkeiten (Gluten, Milch, etc), bestimmte Textilien (z.B. Wolle), Waschmittel, Shampoo, usw. Eigentlich steht in den Richtlinien für Neurodermitispatienten, dass der wichtigste Schritt in der Behandlung das Herausfiltern der Trigger ist. Aber da Ärzte per se keine Zeit haben und sich auch meistens keine für Ihre Patienten nehmen (mit sehr seltenen Ausnahmen) müssen die Patienten entweder Eigeninitiative zeigen und selbst nachforschen – so wie ich – oder das Ihnen verschrieben Kortison verwenden. Kortison hilft aber leider nur gegen die Entzündung der Haut, nicht aber gegen den Juckreiz, der durch die Trigger verursacht wird. Also kratzt man sich auf, weil es juckt, nimmt dann Kortison um die entstehende Entzündung zu unterdrücken – es wird besser – bis zur nächsten Juckattacke. Und je länger man Kortison nimmt, desto mehr benötigt der Körper um die Entzündung zu unterdrücken. Vor zwei Jahren habe ich wieder angefangen Kortison zu nehmen, da ich wieder einmal an einen Arzt geraten bin der meinte: „Nehmen Sie es, etwas anderes wird Ihnen nicht helfen. Nur damit es mal gut wird.“ Es wurde nicht gut! Trotz immer höherer Dosis. Immer wieder kamen die Juckattacken zwischendrin und verwandelten meine Haut erneut in eine einzige rote Entzündung. Dieses Frühjahr setzte ich das Kortison ab, nachdem ich vermehrt Asthmaanfälle bekommen hatte und eine allergische Sinusitis (andauernde Kopfschmerzen). Ich hatte seit meiner Pubertät mit allergischem Asthma zu tun, seit der 2. Geburt nicht mehr. Die Entzündung wanderte also wieder eine Etage nach unten – genau dass was man nicht will. Die Homöopthen sagen gern: „Je weiter eine Erkrankung im Körper drin ist, desto schwerer bekommt man sie weg, bzw. desto länger dauert es, bis es mit der richtigen Behandlung weg geht.“ Also: Neurodermitis ist doof, aber Asthma ist viel schlimmer.

Neurodermitis haben sehr häufig hochsensible Menschen, die schneller auf Reize – innere und äußere – reagieren als „normale“ Menschen. Ich vertrete inzwischen den Glauben, dass die Erkrankung mir frühzeitig meine persönlichen Grenzen aufgezeigt hat, bevor ich ernsthaft erkranke (z.B. Asthma, oder Schlimmeres) und ich dadurch mein Leben ändern und in eine gesunde Bahn lenken durfte. Viele sehen Hochsensibilität als Problem an und versuchen sie zu unterbinden und wegzudrücken. Wenn man auf seinen Körper hört und die Hochsensibilität für sich und andere nutzt ist sie eine große Gabe.

Seitdem ändere ich mein Leben aktiv: Jobwechsel, Ernährungsumstellung auf vegan, mehr Achtsamkeit und Ruhe im Alltag und vor allem mit den Kindern. Ich plane unsere Zukunft, mit vielen neuen Gedankengängen, die ich ohne meine Erkrankung nie gefunden hätte. Mein Asthma ist nicht mehr aufgetreten, die allergische Sinusitis wird zunehmend besser.

Einige Quellen zu Neurodermitis und Hochsensibilität

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