Promovieren mit Kindern – wie soll Frau das schaffen?!?

Ich bin fertig! Mit meiner Promotion, mit diesem Lebensabschnitt, mit dem Job des Schiffbau-Ingenieurs. Viele denken jetzt bestimmt, dass das hier ein Artikel wird, in dem steht, wie Ihr das alles hinkriegt: Promovieren und Kinder. Aber das wäre nicht ich und auch nicht meine innerste Überzeugung euch dazu zu ermutigen, dass schaffen zu müssen!

Der selbstgebastelte Doktorhut meiner lieben Kollegen für mich.

Aber von Anfang: Ich kam vor ca. 8 Jahren und 9 Monaten nach meinem Abschluss zum Schiffs- und Meerestechnik-Diplom-Ingenieur nach Rostock um als wissenschaftliche Mitarbeiterin zu arbeiten und für mich damals ganz wichtig und der Grund Berlin zu verlassen: Ich wollte promovieren und einen Dr.-Titel erhalten! Ich führte also eine Fernbeziehung, die kurz danach zerbrach und lebte allein in Rostock in einer WG. Eigentlich ein schönes Leben. Ein bisschen einsam, weil ich auch viel gearbeitet habe und kaum Freunde hatte. Dass ich um 18 Uhr nach Hause kam, etwas aß und anschließend Fernsehen guckte kam häufig vor und war damals total normal für mich [wenn ich jetzt daran denke, werde ich etwas wehleidig: keine Ahnung wann ich zum letzten Mal gelangweilt war! Und was man alles hätte ausprobieren können!?!]. Drei Monate später änderte sich etwas: ich kam mit meinen zukünftigen Mann zusammen. Wir kannten uns schon und ich fragte nach einem Date. Und nach ein paar Anlaufschwierigkeiten trafen wir uns und sind seitdem nie länger als eine Woche getrennt gewesen! Im Dezember wurde ich schwanger – gewollt! Im September im Jahr darauf kam unsere Tochter und nochmal 2 Jahre und 10 Monate später unsere Sohn. Wir sind so glücklich als Familie [klar gibts manchmal Streit, aber ganz selten]. Warum ich das alles erzähle? Weil ich neben meinem 40h Job an der Universität, meinen zwei wunderbaren Kindern und dem Haushalt promoviert habe. Innerhalb von 8 Jahren und 9 Monaten habe ich meine Arbeit fertig gestellt, sie abgegeben und meine Verteidigung (vor zwei Tagen) absolviert.

MannoMann ist das viel! Während ich in diesem Mahlwerk steckte, merkte ich gar nicht, wie viel ich leistete. Wenn ich jemandem erzählte, was ich tat, spielte ich es herunter und tat als wäre das normal. Als wenn das normal sein müsste! Ich ging sehr lange davon aus, dass Frauen Familie und Karriere unter einen Hut bringen müssen. Aber ganz ehrlich: Was für ein Schwachsinn! Irgendetwas bleibt immer auf der Strecke – die Familie oder die Karriere oder die Paarbeziehung.

Früher wurde von den Frauen nicht verlangt, dass sie alles zu 100% wuppen müssen – heute schon. Und vor allem wir Frauen erwarten es von uns selbst. Statistisch zeigt sich, dass Familienorganisation, Haushalt und Kinder immer noch viel zu oft an den Frauen hängen bleibt. Gleichberechtigung gibt es im Großen und Ganzen nur auf dem Papier. Aber was ist Gleichberechtigung eigentlich? Das beide gleich viel arbeiten und gleich viel zu Hause sind und sich kümmern? Was ist, wenn das nicht geht, weil einer keinen Job findet oder deutlich schlechter bezahlt wird? Solange Berufe so unterschieldich bezahlt werden (Beispiel: Ingenieur und Logopädin oder Projektmanager und Hausfrau) ist diese Gleichberechtigung gar nicht möglich. Und ist das überhaupt gewollt? Ich kenne viele Frauen, die gerne zu Hause bei Ihren Kindern sind, bis sie sie für reif genug halten um zur Kita zu gehen, nicht wie von der Politik gefordert mit 1 Jahr (übrigens eine ganz schlimme Phase um Kinder einzugewöhnen). Oder die Mütter/Väter die zu Hause sein wollen, wenn Ihre Kinder von der Schule nach Hause kommen. Warum zählt diese Arbeit nicht als Arbeit?!? Wir sollten unsere eigenen Vorstellungen der „perfekten Mutter“ über Bord werfen und neue Wege finden, uns selbst und unserer Familie gerecht zu werden ohne uns zu überfodern.

Zurzeit benötige ich mein Notizbuch für Ideen und das Buch „Mama, nicht schreien“ von Jeannine Mik und Sandra Teml-Jetter lese ich gerade und finde es bisher sehr gut.

Bei mir blieb ICH auf der Strecke! Nach 5 Jahren und 10 Monaten wurde ich krank – fast depressiv. Ich kam schlecht gelaunt bei meinen Kindern an um sie abzuholen, weil ich vorher noch einkaufen war, den Tag geplant habe und im Kopf noch eine lange To-Do-Liste für zu Hause hatte. Und ich habe einen Partner der sich kümmert, der gern Zeit mit den Kindern verbringt und mir auch mal Auszeiten gönnt, genau wie ich ihm! Und trotzdem wurde ich krank. Ich war unglücklich im Job, streng zu meinen Kindern und gestresst. Ich habe lange überlegt, ob ich die Promotion abbreche und mich auf andere berufliche Ziele konzentrieren sollte. Aber dank eines Therapeutens, eines MBSR Kurses und meinem Mann habe ich die Promotion beendet; mit gekürzter Arbeitszeit (35h statt 40h sind eigentlich immer noch zu viel gewesen), einer gesünderen Lebensweise und ganz viel Selbstreflektion. Ich habe angefangen zu meditieren, ab und zu treibe ich Sport, ich esse vegan und dabei fast nur Obst und Gemüse. Ich wollte den Abschnitt unbedingt beenden. Übrigens bin ich jetzt wo ich das getan habe überhaupt nicht glücklich, nur ein wenig erleichtert. Das zeigt mir, dass ich etwas anderes will. Einen Lebensweg – eine Vision, die nicht im Schiffbau liegt.

Jetzt bin ich als Hausfrau und Mutter auf der Suche nach einem Job, den ich moralisch vertreten kann, der Sinn macht, den ich liebe und mit dem ich anderen Menschen helfen kann. Dabei hilft mir die Promotion erstmal nicht, aber sie war ein Wegabschnitt, der nun zu Ende ist. Ich habe viele interessante Menschen getroffen, habe verschiedene Orte gesehen und durfte ohne Angst vor finanzieller Unsicherheit meine Kinder bekommen. Dafür bin ich dankbar. Und nun widme ich mich anderen Projekten für mich und meine Familie! Und das ohne mich zu überfordern, keine 120% mehr – denn das Wichtigste was wir haben sind unsere Gesundheit und Zeit mit unseren Liebsten…

Ich – danach!

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