Achtsamkeit in der Mutter-Kind-Klinik

Ich liege hier im Bett – allein – und habe gerade eben ein Buch über Achtsamkeit und Morden fertig gelesen. Wie ich finde, eine sehr gute Themen-Kombination in einem Roman. Ich bin zurzeit auf meiner Mutter-Kind-Kur auf Usedom, habe gerade meinen Sohn in der Kinderbetreuung abgegeben und genieße jetzt, dass das morgendliche Yoga aufgrund von Krankheit ausfällt. Nicht meine Krankheit, sondern die der Yoga Lehrerin. Das Yoga hier entspricht auch eher einem kurzen MBSR Training (Mindful Based Stress Training), inkl. kleiner Meditationseinheiten. Wo wir wieder bei dem Thema Achtsamkeit sind.

Die Klinik schreibt sich den Begriff Achtsamkeit auf die Fahne. Nicht ein Vortrag ohne dieses Wort. Wenn ich den Begriff nicht aus meinem MBSR Kurs in Rostock kennen würde, würde ich ihn hier vermutlich nicht richtig verstehen und anwenden. Drei Wochen sind einfach sehr kurz, um zu erkennen was Achtsamkeit alles bedeutet und beinhaltet.

In meinem MBSR Kurs in Rostock vor einem Jahr habe ich so viel gelernt – zu reflektieren, zu Atmen und verschiedene Methoden zur Stressreduktion und Selbstwahrnehmung. Daher bin ich erstmal davon überzeugt, dass bei einer Mütter-, wie auch Vätererschöpfung Achtsamkeit eine gute Möglichkeit ist, dort langsam und auf sich achtend raus zu kommen und sich nachhaltig zu erholen. Erschöpfung ist inzwischen in unserer schnell-lebigen Welt ein so häufiges Symptom, dass ich kaum noch Menschen in meinem direkten Umfeld habe, die nicht sagen, dass alles so anstrengend ist. Alles „gerade“ zu viel. Das Problem mit „gerade“ ist doch, dass es oft zum Dauerzustand wird. Und aus „mir ist gerade alles zu viel“ wird auch schnell „Ich habe Rücken. Ich habe Kopfschmerzen. Ich komme nicht mehr hoch! Wie soll ich das alles schaffen?!“. Und diese Erschöpfung ist ein Resultat unserer veränderten – schnelleren – Welt. Das Problem ist: die Welt können wir nicht ändern. Aber wir können unser Verhalten auf die Welt ändern! Wir können weniger Multitasking betreiben, mehr Singletasking. Wir sollten uns mehr einer Sache widmen und dann mit vollem Herzen, als alles halbherzig zu tun.

Wir sollten es machen wie unsere Kinder – mit voller Aufmerksamkeit bei unseren Aufgaben sein.

Ich merke hier mit meinem Sohn wieder, dass ich das kann. Nach der Kinderbetreuung widme ich mich ganz ihm. Da gibt es niemanden sonst, dem ich etwas schulde, dem ich unbedingt zuhören muss. Klar, treffe ich auch Nachmittags Muttis mit Ihren Kleinen und ja manchmal möchte ich auch mit Ihnen quatschen, aber wenn der Kleine gar nicht will und was ganz anderes vorhat, dann gehen wir halt in die andere Richtung. Er ist dann glücklich, weil er mich ganz für sich allein hat und ich auch, weil ich nicht zwei Dinge gleichzeitig tun muss. Zur Not unterhalte ich mich halt beim Abendessen weiter mit der Mami. Hier geht das zum Glück. Zu Hause natürlich nicht. Da trifft man sich nicht jeden Tag, eher einmal im Monat, mit Freundinnen/anderen Eltern. Solange können manche Themen aber nicht warten. Dann sollte man vielleicht abends doch mal zum Telefon greifen. Tut man nur leider viel zu selten! Ich habe zu Hause meinen Mann – meine bessere Hälfte, die immer zuhört und mir allein dadurch weiterhilft. Aber was machen die Single-Moms and Dads? Oder Mamas, wo der Partner nie zu Hause ist oder einfach nicht so vertraut ist? Diese Frauen brauchen dann auch mal abends die Freundin zum Quatschen… (manchmal will man vielleicht auch nicht mit seinem Mann über bestimmte Themen reden, sondern mit einer anderen Frau). Es gibt also eine Zeit für die Kinder und wir sollten uns zusätzlich mehr Zeit für unsere Freunde nehmen. Und dann nur für diese. Sonst haben wir irgendwann vielleicht keine mehr.

Auch beim Arbeiten merke ich, dass ich beim Multitasking deutlich langsamer arbeite und zerstreuter bin, als wenn ich eine Aufgabe nach der anderen abarbeite. Jetzt zum Beispiel schreibe ich. Vorher habe ich einen Roman über Achtsamkeit gelesen. Und zwischendrin habe ich geduscht. Alles für sich – ohne Ablenkung. Ich habe bewusst versucht in diesem Moment zu sein. Beim Lesen funktioniert das meist besser als beim Duschen, da dort sehr oft die Gedanken auf den zukünftigen Tag abdriften. Ich zum Beispiel denke beim Duschen oft an meine Kinder. Was ich noch alles machen muss. Was ansteht. Heute habe ich das Wasser gespührt und mich entspannt und geatmet. Generell atme ich zurzeit schon wieder zu wenig. Hört sich vielleicht doof an, ist aber so. Vor einem Jahr habe ich mir jeden Tag eine 3/4 Stunde am Tag heraus genommen und meditiert. Seitdem ist viel passiert und diese Zeit für mich habe ich wieder anders genutzt – früher hätte ich gesagt effektiver. Jetzt würde ich sagen, ich habe sie verplempert. Nichts bringt mir so viel, wie Yoga und Meditieren. Die Kur hat bei mir das Thema Atmen wieder mehr in den Fokus gerückt. Auch vorher schon habe ich wieder täglich Yoga praktiziert, aber das Atmen kam jetzt noch einmal verstärkt hinzu. Der Yogakurs am sonnigen Strand mit Quigong Übungen und die Gehmeditation im leeren Wald ganz für mich allein haben mir wieder einmal meine Prioritäten gezeigt.

Die Zeit diesen Sonnenuntergang zu erleben, sollte man sich immer nehmen.

Nach zwei Wochen hier in der Klinik atme ich zwischendrin immer wieder bewusst. Zum Beispiel wenn ich meinen Kaffee morgens trinke, die Sonne im Gesicht spüre oder so wie gestern nachmittag im Wald die feuchte, kalte Luft. Den Wind an der Nasenspitze beim Spazierengehen. Und sobald ich entspannt bin, ist es meist auch mein Kind!

Den Strand kenne ich von zu Hause, aber der Wald ist einfach spitze. Er beruhigt mich so sehr! Wenn der Wind durch die Laubblätter fegt und sich alles bewegt.

Lebt Ihr achtsam? Könntet Ihr noch ein bisschen mehr im hier und jetzt leben? Versucht es doch einmal mit einer kleinen Meditation, z.b. von Laura Malina Seiler (Podcast: Happy, Holy and confident) oder Mady Morrison (You Tube).

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