Meine Mutter-Kind-Kur mit frühzeitigem Ende

Mein Mann fragte mich am Wochenende, was ich denn jetzt mitnehme aus der Mutter-Kind-Kur, die ich gerade frühzeitig beendet habe. Tja gar nicht so eine einfache Frage!

Ich habe die letzten 2,5 Wochen mit meinem Sohn – 4 Jahre alt – eine Mutter-Kind-Kur gemacht. Teilweise um mal Ruhe für mich zu haben und weniger erschöpft zu sein, aber zum größten Teil, um meine Neurodermitis zu behandeln, bzw. zu verbessern.

Mein Sohn und ich auf den Weg zum Strand auf Usedom.

Ich war mir eigentlich immer recht sicher, dass meine Neurodermitis eine Folge meiner Ernährung ist, konnte aber nie testen, ob Stress nicht auch ein Trigger ist, da es mit zwei bedürfnisstarken Kindern nicht leicht ist, Stress zu vermeiden! Also wollte ich – eigentlich auf einer Mütterkur – herausfinden, ob durch weniger Stress die Neurodermitis abnimmt. Leider gab es keine Mütterkurklinik (es gibt nur 5 in ganz Deutschland, die ausschließlich Mütter annehmen), die meine strenge Ernährungsdiät einhalten konnte. Und mein Sohn ist zurzeit sehr auf seine! Mama fokussiert, weshalb ich mich dann doch für eine Mutter-Kind-Kur entschieden habe. So blieb die Große zu Hause – etwas angefressen und eifersüchtig – und ich bin mit dem Kleinen zur Kur gefahren. Der Stress wurde reduziert, schon allein durch das kleine, modern eingerichtete Zimmer, was ich ordentlich halten musste, statt einer großen Wohnung. Ich musste kein Essen einkaufen und auch nicht kochen. Dreimal am Tag gab es in einem bestimmten Zeitraum Essen im Speisesaal. Morgens und Abends mit den Kindern und Mittags allein. Und ab und zu gab es Freizeitangebote in der Klinik für die Eltern (Väter oder Mütter) und Ihre Kinder. Also schon einfacher als zu Hause. Abends konnten die Kinder im Sportraum mit den anderen Kindern toben und die (hauptsächlich) Mamas saßen auf den Sofas davor und quatschten. DAS war für mich die schönste Zeit am Tag! Erfahrungen mit den anderen Mamas austauschen, deren und meine Erfahrungen teilen und auch Hilfestellung geben. Es wurde viel erzählt, gefragt, geteilt und auch mal geweint. Das tat so gut.

Der Toberaum in der Klinik

Das Konzept der Klinik ist, dass elterliche Erschöpfung anfängt mit psychischen Symptomen (Müdigkeit, Vergesslichkeit, Unruhe, Reizbarkeit, uvm.) und anschließend durch körperliche (Rücken-, Kopf- und Körperschmerzen, chronische Erkrankungen wie Allergien, Neurodermitis) manifestiert wird. Diese Symptome fallen bei Hausärzten meist hinten runter und werden erst bei körperlichen Symptomen ernst genommen – wenn überhaupt. Effektive Massnahmen gegen die Erschöpfung sind u.a. ein achtsames Leben im Alltag, sowie Stressreduktionsmaßnahmen (Meditieren, Autogenes Training). In der Klinik wurden Anreize für diese Methoden gegeben, z.B. durch Seminare zu Entspannungsverfahren, Yoga, Sport in der Natur und Rückenschule. Aber auch das achtsame Miteinander mit den eigenen Kindern wurde gestärkt durch Eltern-Kind-Interaktion, wie z.B. Malen und Basteln (das wollte mein Sohn unbedingt und es war wirklich toll!). Da ich mich bereits vor der Kur sehr viel mit Achtsamkeit auseinandergesetzt habe (MBSR Kurs, Meditieren, Yoga, Psychotherapie) war mir das Konzept bereits bekannt und ich konnte dort endlich mal wieder achtsam im Alltag sein und habe mich wieder an meinen damiligen MBSR (Mindful Based Stress Reduction) Kurs erinnert. Achtsam sein hatte ich zu Hause schon wieder „verlernt“ und konnte das in der Klinik aber gut auffrischen. Die Vorkenntnisse waren leider auch etwas unvorteilhaft, da ich in den Vorträgen zu Erschöpfung und Achtsamkeit und auch beim Yoga oft saß und mir tiefergehendes Wissen gewünscht habe. Durch das zusätzliche Lesen des Buches „Achtsam Morden“ von Karsten Dusse, welches gleichzeitig lustig, spannung wie auch informativ geschrieben ist, habe ich das achtsame Atmen wieder verinnerlicht. Zusätzlich zu den Sport- und Vortragseinheiten wurden Einzeltherapien verordnet (z.B. Psychotherapie, Physiotherapie, Bäder bei Neurodermitis). Ich bekam Bolus alba Bäder (eine Art Wasser-Ton-Bad). Ich empfand sie als nett, aber einen Effekt spürt man wohl auch hier erst bei regelmäßiger Teilnahme, wenn überhaupt.

Der Kölpinsee beim Sonnenuntergang – da kann man nur Staunen und Fühlen und Genießen

Mein Stress nahm also ab – vor allem nachdem mein Sohn sich an die Kita gewöhnt hatte und normalerweise auch gerne hinging – aber meine Neurodermitis wurde immer schlimmer! Ich hatte die Liste aus dem Buch Diätetik in der Allergologie von Imke Reese, Christiane Schäfer, Thomas Werfel, Margitta Worm zu Birken-Beifuss-Pollen-Kreuzallergie bei der dortigen – wirklich sehr sympathischen und netten Ernährungsberaterin abgegeben und sie hat mit dem Koch alles weitere besprochen. Zu Hause esse ich sehr reduziert und nicht mal die Hälfte dieser Liste und fahre normalerweise ganz gut damit. Aber dort wurden mit einem Mal viele Lebensmittel dieser Liste verwendet, weshalb eine Analyse worauf ich allergisch reagiere kaum möglich war. Klar geworden ist allerdings, dass ich deutlich auf Spinat und Knoblauch reagiert habe. Und auch auf Schokolade. Aber selbst nach dem Weglassen dieser Produkte ging das Jucken weiter. Damit verbunden die Schmerzen und die raue, rote Haut. Und nachdem ich zwei Wochen durchgehalten habe, gab ich auf und fragte nach langem Hin- und Herüberlegen (ich nehme solche Rückschläge gerne persönlich und als ein Versagen meinerseits) nach einem vorzeitigen Kurabbruch. Dieser wurde genehmigt und nach 2.5 Wochen fuhren wir nach Hause zu meinem Mann und meiner Tochter. Es gab zwei Gründe, weshalb ich lange und intensiv über einen Kurabbruch nachgedacht habe, statt es einfach zu machen: die Frauen dort waren so toll. So zugänglich, lieb und lustig. Und ich hatte die Natur direkt vor der Tür. Zu Hause fahren wir mindestens 20-30 Minuten um zum Wald oder zum Strand zu kommen, hier lag die Klinik direkt neben dem Wald. Ein schöner Laub- und Nadelwald, von dem man direkt über einen Steilhang mit Treppe zum Strand kam. Ich bin fast jeden Tag entweder allein, in Begleitung oder mit meinem Sohn zum Strand oder in der Wald gegangen um dort die Luft und die Ruhe zu genießen. Wie mein Sohn vorne am Wasser saß und ganz verträumt und gebannt den Wellen zugesehen hat, werde ich nie vergessen!

Dieser Wald hat es mir angetan!

Aber ich musste achtsam zu mir und meinem Körper sein – mein Körper war da wieder einmal sehr deutlich. Und der hat gesagt: fahr nach Hause und iss ordentlich! Tja, dass habe ich dann auch getan! Was nehme ich also mit aus der Mutter-Kind-Kur? Ich brauche im Alltag mehr Ruhepausen – weg von der Familie und raus aus der Wohnung, nur für mich. Ich will und muss „mein“ Allergie-Essen selber einkaufen und kochen. Und ich will wieder mehr im Moment leben will, achtsamer und dankbarer sein.

Die wichtigste Erkenntnis dieser Kur für mich ist aber, dass ich Doula und Ernährungscoach sein will. Ich will Frauen helfen, eine selbstbestimmte, schöne Geburt zu haben und gesund zu leben – so viel würde sich verändern! Ich will für sie da sein, genauso wie für die Frauen in der Kur. Ihre Geschichten und Erfahrungen bestärken mich in meinem Vorhaben. Ich hoffe, ich konnte Ihnen helfen, so wie sie mir geholfen haben!

Eisiger Wind und kalte, frische Luft – mehr braucht man nicht

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