Selbstständigkeit – Gründungszuschuss beantragen

Die Selbstständigkeit ruft. Und sie kommt näher. Sehr schnell sogar, denn der 01.04.2020 ist sehr nah. Warum aber habe ich mich so auf den 01.04. eingeschossen? Hab ICH doch gar nicht. Das war nämlich meine Vermittlerin bei der Agentur für Arbeit (AfA). Als klar war, dass die Selbstständigkeit bei mir das Ziel ist, musste ich mich informieren über den Gründungszuschuss. Dieser muss nämlich spätestens 150 Tage vor Ende des Arbeitslosengeldanspruchs beantragt werden. Also war der 01.04. der letzt-mögliche Termin.

Meine Selbstständigkeit beginnt im Home Office!

Das Wissen über den Gründungszuschuss ist leider im Netz überall ein bisschen zu finden. Hier gebe ich also mal einen Leitfaden und Tipps, wie die Beantragung funktioniert und wo Ihr weitere informationen findet.

Vorweg die Voraussetzungen für den Gründungszuschuss:

  1. Du musst arbeitslos gemeldet sein und Anspruch auf mindestens 150 Tage ALG I haben. Heißt, wenn du noch arbeitest, aber du möchtest dich selbstständig machen, würde es Sinn machen sich kündigen zu lassen, bzw. zu kündigen. Oder wenn dein Vertrag ausläuft, erst gründen, wenn man mindestens einen Tag arbeitslos gemeldet war!
  2. Wichtig: 150 Tage vor Ende des ALG I Anspruchs muss der Gründungszuschuss beantragt werden.
  3. Die Tragfähigkeit der Existenzgründung und die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkkeiten müssen nachgewiesen werden.

Der letzte Punkt muss durch eine Stellungnahme einer „fachkundigen“ Stelle bestätigt werden, d.h. der Businessplan muss z.B. bei der IHK oder in Rostock auch bei „Frauen in der Wirtschaft“ vorgelegt werden. Diese fachkundige Stelle füllt dann das Formblatt der Arbeitsagentur „Stellungnahme der fachkundigen Stelle zur Tragfähigkeit der Existenzgründung“ aus und schickt das Dokument dann meistens direkt zurück. Dazu braucht die Stelle:

  1. Einen Businessplan (Erläuterung der Geschäftsidee, Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan, Umsatz- und Rentabilitätsvorschau)
  2. Lebenslauf (mit Zeugnissen und Befähigungsnachweisen, z.B. eines Gründungsseminars)

Den Businessplan benötigt Ihr zusätzlich auch noch für die Agentur für Arbeit, Banken für die Kreditbeantragung und die gesetzliche Krankenkasse für die Berechnung des monatlichen Beitrags.

Die folgenden Blätter muss ich also bis zum 01.04. abgegeben haben:

  • Businessplan
  • Anforderung der Stellungnahme
  • Stellungnahme der fachkundigen Stelle
  • Lebenslauf, Zeugnisse
  • Anlage „Begründung der Förderung“ zum Antrag auf Gewährung eines Gründungszuschusses
  • Gewerbeanmeldung über mindestens 15 h (da das Gewerbe sonst als nebenberuflich gilt und keine Gründungszuschuss möglich ist)

Was bringt mir der Gründungszuschuss eigentlich?

Die Höhe des Gründungszuschusses beträgt der ALG I Satz + 300€ (für z.B. Versicherungen) für ganze 6 Monate. Ich kann also mein Unternehmen aufbauen, Kunden gewinnen, Werbung machen, ohne dass mein Gehalt für die Familie gänzlich wegfällt. Nach 6 Monaten Selbstständigkeit ist eine Beantragung von einem Gründungszuschuss über 300€ für weitere 9 Monate möglich. Dafür werden die bisherigen Einnahmen/Ausgaben geprüft, ebenso wie die Arbeitszeit – sie muss hauptberuflich stattfinden, d.h. mindestens 15 h.

Der Gründungszuschuss ist bei der Agentur für Arbeit eine „Kann“-Leistung, keine „Muss“, d.h. sie können den Gründungszuschuss bezahlen, müssen aber nicht. Das hängt vom Bundesland, der Region, der Agentur für Arbeit und den Betreuer ab. Aber mit den richtigen Unterlagen und einem gut verständlichen Businessplan sollte das kein Problem sein.

Nebenjob

Übrigens ist es möglich nebenberuflich angestellt zu arbeiten. Nebenberuflich bedeutet, dass auf die Selbstständigkeit mehr Zeit verwendet wird als auf den Nebenjob. Der Gründungszuschuss wird von dem Gehalt nicht betroffen und auch nicht angerechnet. Ebenso wie alle Einnahmen nicht vom Gründungszuschuss abgezogen oder verrechnet werden. Das bedeutet z.B. bei einem Gründungszuschuss von gesamt 1.000€ und Einnahmen von 400€, hättest du am Ende 1400€ zum Leben.

Wichtig zu erwähnen ist noch, dass keine Scheinselbstständigkeit herrschen darf, d.h. wenn du nur für einen Arbeitgeber zu den von ihm bestimmten Konditionen arbeitest. In diesem Fall könnte die AfA den Gründungszuschuss zurück verlangen.

Der Gründungszuschuss ist zudem steuerfrei.

Anlage „Begründung der Förderung“ zum Antrag auf Gewährung eines Gründungszuschusses

„Ich werde mich zum … als … selbstständig machen. Entsprechend meinen Zeugnissen und Befähigungen können sie meine fachliche und kaufmännische Qualifikation erkennen. Entsprechend meinem Businessplan ist gut sichtbar, dass neben der Gewerbegründung der Lebensunterhalt für mich und meine Familie nur durch die Gewährung des Gründungszuschusses gewährleistet wird. Trotz der Arbeitsstelle meines Mannes bleibt etwas weniger als die Hälfte der Lebensunterhaltskosten an mir. Durch eine vermutlich langsame Steigerung meiner Kundenanzahl ist es mir erst nach ca. 6 Monaten möglich meinen Teil der Lebenskosten teilweise beizusteuern.“

Die Informationsblätter zu den Voraussetzungen des Gründungszuschusses findet Ihr unter Downloads.

Weitere Informationen:

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